Headis rettet dir das Leben !!!12.10.2011
Headis rettet Dir das Leben Florian Schwebel
Da sitzt du nun, klein, hässlich und verloren in der großen, kalten Welt. Immer ist dein Rechner an, nie tut er etwas Interessantes. Alkohol macht auch nicht mehr so betrunken wie früher. Vielleicht gibst du dein knappes Geld für Reisen aus, die im Prospekt schön sind, oder für teuren, miefigen Sport mit einer fetten Bedienungsanleitung. Immer musst du soviel machen, nie gibt es einen Kick dafür. Deinen Drive, deine Anmut, deine Wut und deine Begeisterung für neue Sachen und nette Menschen verbrätst du beim Streit mit Mitbewohnern um Computerspiele. Du weißt, dass es nicht so sein muss. Du bist nicht allein. Denn es gibt Headis.

Headis – die Welt und dein Fernseher sprechen davon, aber was ist das eigentlich? Sehr einfach: Du stehst vor einer Tischtennissplatte und haust einen Ball mit dem Kopf weg. Hände an die Platte, leicht in die Knie gehen, immer den Ball im Blick und dann von unten spielen. Jetzt sagt deine Mutter: Das sieht aber seltsam aus. Jetzt sagst du: Das fühlt sich aber super an. Ihr habt beide recht, wie immer. Alles, was richtig gut ist, sieht von außen erst einmal seltsam aus. Das ist das erste grundlegende Geheimnis des Lebens. Und auch Headis macht süchtig, ist aber gleichzeitig gesund, kostenlos und gut für die Seele. Und Leute prügeln sich bald, um zu zusehen, wenn du wie ein glücklicher junger Gott durch die Sonne springst. Denn Headis bietet in 10 Minuten Spielzeit ein vollständiges Match mit Ganzkörpereinsatz, unfassbaren Triumphen und namenlosem Grauen. Die Regeln sind einfach und lassen viel Raum für bizarre Tricks und knallharte Manöver (der Ball ist weich). Niemand weiß, warum das so ist, aber Headis ist eine Grenzerfahrung, bringt jeden zum Johlen, und die Menschen zusammen. Das ist das grundlegende Geheimnis Nummer Zwei.

Der Erfinder von Headis hat es als Erster entdeckt. Er war noch Schüler, jung, dumm und wusste nicht viel von der Welt. René Wegner. Mit ein paar Freunden probierte er die Idee an einem verkaterten, lahmen Sonntagmorgen im Freibad aus. Sie versuchten, das Erlebnis zu verdrängen. War das möglich? Waren sie mit Matschkopf mitten in der Provinz auf radioaktives Material gestoßen? Sie spielten weiter Headis und verrieten es keinem. René wurde ein Sportwissenschaftler mit Geheimratsecken, dicker Brille und wirrem Bart und sah sich Headis noch einmal nachdenklich an. Ein paar vage Geistesblitze flirrten durch seinen Kopf, warum das Spiel tatsächlich funktionierte. Diesmal erzählte er es allen. Sie gaben sich ehrfurchtgebietende Namen (René selber ist „Headi Potter“). Renés Vater bastelte in der Garage einen Kantenschutz. Neugierige kamen. Und kamen immer wieder.

Der Rest ist Geschichte. Menschen sind über Headis weltweit vernetzt. Hunderte spielen alleine in Deutschland täglich. Über 3000 Turnierspiele wurden schon weggeballert (ohne jede Kopfverletzung), und Headis ist Teil des Unisports. Mehrere Fußballbundesligavereine haben Headis in ihr offizielles Trainingsprogramm aufgenommen. Fernsehauftritte von „Tv total“ bis zum „Fröhlichen Weinberg“ wurden würdevoll absolviert. Große Sportmessen wurden infiziert, kleine Showveranstaltungen bespaßt. Headis ist eine echte Sportart geworden, und du kannst trotzdem herumhüpfen wie du willst, und das kurz im Park mit Freunden (und auch mit Kopftuch). Universitäten bescheinigen, dass Headis deutlich mehr fordert als befreundete vergleichbare Sportarten (mehr dazu nicht, wir brauchen noch die Platten). Alle Versuche der Industrie, den Glam aus dem Sport wegzukaufen, wurden bisher würdevoll ignoriert. Mit der Welt im Kopf und Kaiserslautern unter den Füßen ist Headis die letzte handgemachte Trendsportart, und dazu schnell, elegant und trickreich. Deine Mutter wird immer sagen, dass es seltsam aussieht. Um jeden Punkt auf der Rangliste wird immer gnadenlos gekämpft werden. Und die Atmosphäre wird trotzdem immer so sein wie beim Mondfest der Schlümpfe. Und der Ball wird immer spottbillig sein (und lässt sich gut bemalen), und jede Tischtennisplatte tut es.

Wie funktioniert das alles? Niemand versteht es, aber es bleibt so. Das ist das grundlegende Geheimnis Nummer Drei.



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